Verdauung und Ernährung sind eng mit unserem Alltag verbunden und beeinflussen Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig. Für die Gastroenterologie bedeutet das: Medizinische Behandlung und Lebensstil lassen sich nicht getrennt betrachten. Univ.-Prof. PD Dr. Bernhard Angermayr steht exemplarisch für diese Verbindung – als hochspezialisierter Gastroenterologe und als leidenschaftlicher Koch und Gastronom außerhalb der Ordination. Welche Spitzenmedizin er und sein Team auf Kassenleistung möglich machen und warum Kaffee gesundheitliche Vorteile bietet, erklärt der Spezialist aus St. Pölten.
Pionier des Monats
Als Facharzt für Innere Medizin sowie Gastroenterologie und Hepatologie behandelt Univ.-Prof. PD Dr. Angermayr im „imed" in St. Pölten Erkrankungen jener Organe, die täglich mit Nahrung, Getränken und Genussmitteln in Kontakt stehen: Magen, Darm, Leber, Gallenwege und die Bauchspeicheldrüse. Ernährung wirkt dabei nicht punktuell, sondern beeinflusst ein fein abgestimmtes System aus Verdauungsfunktionen, Stoffwechselprozessen und immunologischen Mechanismen. „Wer Menschen behandelt, muss ihre Lebenssituationen verstehen. Ernährung spielt dabei eine wesentliche Rolle“, betont der Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie.
Was wir essen, steuert die Säureproduktion im Magen, die Beweglichkeit des Verdauungstrakts, die Zusammensetzung von Verdauungsenzymen, die Barrierefunktion der Darmschleimhaut sowie entzündliche und hormonelle Regelkreise. In dieses Zusammenspiel eingebettet ist das intestinale Mikrobiom, das als funktioneller Bestandteil des Verdauungssystems wesentlich zur Gesundheit beiträgt.
Ernährung und Lebensstil prägen
„Die Darmflora beeinflusst weit mehr als nur die Verdauung. Sie spielt eine zentrale Rolle für das Immunsystem und die immunologische Toleranz, reguliert entzündliche Prozesse, wirkt auf den Energie- und Fettstoffwechsel ein und trägt wesentlich zur Stabilität der Darmschleimhaut bei. Ernährung und Lebensstil prägen diese komplexen Mechanismen maßgeblich“, erklärt der Facharzt. Frisch gekochte, abwechslungsreiche Kost, regelmäßige Mahlzeiten und eine bewusste Esskultur fördern ein stabiles mikrobielles Gleichgewicht, während hochverarbeitete Lebensmittel, Zeitdruck und monotone Ernährungsgewohnheiten funktionelle Störungen begünstigen können, so der St. Pöltner Kassenarzt weiter.
In der klinischen Praxis zeigt sich diese enge Verbindung zwischen Ernährung und Gastroenterologie sehr konkret. Refluxerkrankungen werden wesentlich durch Essverhalten, Portionsgrößen, Timing und Zusammensetzung der Mahlzeiten beeinflusst. Zöliakie und Nahrungsmittelallergien sind Ausdruck fehlgeleiteter immunologischer Reaktionen auf Nahrungsbestandteile und erfordern ein differenziertes Verständnis von Ernährung und Schleimhautimmunität. Funktionelle Magen-Darm-Beschwerden entstehen häufig aus dem Zusammenspiel von Ernährungsgewohnheiten, Darmmotilität, Mikrobiom und enteralem Nervensystem. Auch Leber- und Stoffwechselerkrankungen stehen in enger Beziehung zu Ernährungsstil und metabolischer Belastung. Nachhaltige Therapieerfolge lassen sich daher nur erzielen, wenn medizinische Behandlung und alltagstaugliche Ernährung zusammengedacht werden. Angermayr ist überzeugt: „Wer Verdauung behandelt, muss Essen nicht nur diagnostisch einordnen, sondern verstehen, wie es zubereitet, konsumiert und in den Alltag integriert wird – einschließlich der Bedeutung von Genuss und Esskultur.“
Kaffee: Genussmittel mit medizinischem Mehrwert
Auch Kaffee nimmt in diesem Zusammenhang eine besondere Stellung ein. Lange Zeit kritisch betrachtet, gilt heute als gut belegt, dass Kaffee nicht nur gut verträglich ist, sondern gesundheitliche Vorteile bietet und in zahlreichen Studien sogar mit einer längeren Lebenserwartung assoziiert wird. Moderater Konsum wirkt sich positiv auf die Lebergesundheit sowie auf den Glukose- und Fettstoffwechsel aus, beeinflusst entzündliche Prozesse günstig und ist mit einem reduzierten Krebsrisiko verbunden. Zudem gibt es Hinweise auf einen potenziell positiven Effekt auf das Darmmikrobiom. „Aus gastroenterologischer Sicht ist Kaffee daher kein Laster, sondern – bei hoher Qualität und bewusster Zubereitung – Teil eines gesundheitsfördernden Lebensstils“, betont Angermayr.
Vom ärztlichen Anspruch zur Kaffeeküche
Der Traum vom eigenen, kleinen Lokal mit hohem Qualitätsanspruch begleitete Angermayr schon lange. Zunächst aber standen andere Projekte im Mittelpunkt: Als Wahlarzt im „Ärzte im Zentrum“ tätig, prägte er maßgeblich den Aufbau der Zentren „Arzte im Zentrum“ und „imed“ sowie eines Pathologieinstituts. Parallel dazu war er auch an der DPU Krems engagiert.
Mit der Zeit wuchs ein klarer Entschluss: Angermayr wollte bewusst im Kassensystem arbeiten – getragen von der Überzeugung, Medizin für alle zugänglich zu machen. Daher wechselte er in eine Kassenordination. Heute arbeiten im „imed“ am Standort Kremser Landstraße 20 in St. Pölten mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter fünf Ärzte. Und auch ein persönlicher Wunsch begann wieder Raum zu gewinnen: Aus der Idee eines eigenen Lokals entstand zunächst eine pragmatische Zwischenlösung – eine Kaffeeküche für das Team. Ein Ort für Pausen, Austausch und gelebte Qualität.
Arzt, Koch und Gastgeber
Aus dieser Kaffeeküche entwickelte sich schrittweise ein klares gastronomisches Konzept: eine mediterran inspirierte Gastrobar, die Genuss, Qualität und Alltagstauglichkeit verbindet. Im Sommer 2024 startete das Projekt als Pop-up, seit April 2025 wird die „Kaffeeküche by CoffeeDocs“ im Vollbetrieb geführt – mit hochwertigem Kaffee, sorgfältig ausgewählten Mehlspeisen und frisch gekochtem Mittagessen.
„Meiner Meinung nach, ist die Kaffeeküche kein Bruch mit der Medizin, sondern deren konsequente Erweiterung. Ernährung ist ein zentraler Bestandteil gastroenterologischer Beratung, und Genuss steht nicht im Widerspruch zur Gesundheit“, bekräftigt der Mediziner. Statt pauschaler Verbote stehen realistische, im Alltag umsetzbare Empfehlungen im Vordergrund – getragen von Verständnis für Esskultur und Lebensrealität sowie von medizinischer Evidenz, ergänzt durch kulinarische Erfahrung. Diese Haltung zeigt sich auch ganz praktisch: Wenn Unterstützung gebraucht wird, steht Bernhard Angermayr selbst hinter dem Herd oder serviert einen Espresso. Versorgung bedeutet hier nicht nur fachliche Kompetenz, sondern ebenso Aufmerksamkeit, Qualität und Menschlichkeit.
Hochwertige Medizin – natürlich im Kassensystem
Als Vertragspartner der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) steht Univ.-Prof. PD Dr. Angermayr für moderne, leitliniengerechte Gastroenterologie. Gemeinsam mit drei ebenso spezialisierten und habilitierten Internisten führt er die internistische Gruppenpraxis „imed“. Innerhalb eines Jahres entwickelte sich aus einem Einzelvertrag die erste spezialisierte internistische Gruppenpraxis Niederösterreichs. Die enge Zusammenarbeit ermöglicht eine Versorgung, die medizinische Exzellenz mit individueller Betreuung verbindet – selbstverständlich im Rahmen der Kassenmedizin.
Patientinnen und Patienten profitieren von moderner Endoskopie, evidenzbasierter Diagnostik und ausreichend Zeit für Aufklärung. Seit Dezember 2025 steht in der Gruppenpraxis ein Herzultraschallgerät der neuesten Generation mit 4D-Technologie (Live-3D-Darstellung) und KI-unterstützter Bildanalyse im Routinebetrieb zur Verfügung. Die Technologie ermöglicht eine sehr detaillierte Darstellung der Herzstrukturen und unterstützt insbesondere die Diagnostik bei komplexeren Herz- und Herzklappenerkrankungen. In manchen Fällen können dadurch weiterführende Untersuchungen im Krankenhaus vermieden oder reduziert werden. Damit steht diese diagnostische Möglichkeit auch im kassenärztlichen Bereich zur Verfügung und kann im Rahmen der Kassenleistung genutzt werden. Ernährung, Mikrobiom und Lebensstil werden konsequent in die Therapie integriert.
Abschließend bekräftigt er: „Die Verbindung aus Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Koch und Gastronom ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines medizinischen Selbstverständnisses, das den Menschen in seinem Alltag ernst nimmt. Denn Gesundheit beginnt oft nicht im Behandlungsraum, sondern in der Küche – und manchmal mit einer guten Tasse Kaffee.“
Auch die ÖGK setzt auf eine bewusste fett- und zuckerarme, ausgewogene und gesunde Ernährung, die durch von Expertinnen und Experten geprüfte Rezepte auf der Website vermittelt wird.