Für Erwachsene und Kinder ab dem ersten Lebensjahr empfiehlt die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) eine tägliche Versorgung mit 800 IE (20 µg) Vitamin D (siehe Tabelle 1) [3].


Empfehlungen zur Vitamin-D-Versorgung
Alter in Jahren empfohlene tägliche Versorgung
< 1 10 µg (400 IE)
1–10 20 µg (800 IE)
> 10 20 µg (800 IE)

Tabelle 1: Empfehlung der ÖGE [3]

Supplementierung

Wenn die Versorgung über die Nahrung und Sonnenlichtexposition nicht erreicht werden kann (in nord- und mitteleuropäischen Breiten ist die endogene Synthese v.a. in den Wintermonaten limitiert), sollte eine Supplementierung mit Vitamin-D-Präparaten erfolgen.

Höhere Dosierungen sollten nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden, da sonst das Risiko einer Hypervitaminose besteht, welche zu einer Hypercalcämie, Hypercalciurie, Calciumablagerung in Organen sowie Nierenfunktionsstörungen und Herzrhythmusstörungen führen kann. Eine Aufnahme von bis zu 4.000 IE (100 µg) pro Tag gilt jedoch für Jugendliche und Erwachsene auch langfristig als sicher, nur bei Einnahme extrem hoher Dosen über sehr lange Zeiträume besteht das Risiko toxischer Spiegel (> 150 nmol/l) [4], wie auch Abbildung 1 veranschaulicht.


Abbildung_1_Vitamin_D.png


Abbildung 1: Auswirkungen einer Vitamin-D-Supplementierung auf die Spiegel in Abhängigkeit von der täglichen Dosierung nach [5]


Eine routinemäßige Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels bei gesunden Personen wird nicht empfohlen; auch eine Supplementierung kann in der Regel ohne eine vorherige Spiegelbestimmung erfolgen.

Vitamin-D-Präparate im Erstattungskodex

Im Erstattungskodex (EKO) stehen mittlerweile verschiedene Darreichungsformen und Stärken zur Verfügung, wodurch eine zweck- und bedarfsorientierte Therapie ermöglicht wird: Für die Erhaltungsdosis eignen sich eher die Präparate in Tropfenform, für eine schnelle Spiegelanhebung sind höher dosierte Weichkapseln oder Tabletten besser geeignet. Bei der Verordnung dieser Präparate sollten die Richtlinien über die ökonomische Verschreibweise von Heilmitteln und Heilbehelfen (RöV) Berücksichtigung finden, z. B. die Bevorzugung der kostengünstigsten Alternative bei gleicher Eignung.

Eine Übersicht über aktuell verfügbare EKO-Präparate findet sich in der folgenden Tabelle:


Vitamin-D3-Monopräparate im Erstattungskodex
Tropfen
14.400 IE/ml
Name Menge Wochendosis
(5.600 IE)
Reichweite
(5.600 IE/Woche)
Kosten/Woche
(Basis KVP)
Gerovit D3 Tropfen 12,5 ml 14 Tropfen ~32 Wochen ~0,14 €
Oleovit D3 Tropfen 12,5 ml 14 Tropfen ~32 Wochen ~0,19 €
20.000 IE/ml
Name Menge Wochendosis
(5.600 IE)
Reichweite
(5.600 IE/Woche)
Kosten/Woche
(Basis KVP)
Dekristolmin Tropfen 10 ml ~11 Tropfen ~36 Wochen ~0,13 €
Feste Darreichungsformen
20.000 IE
Name Menge

Wochendosis

(20.000 IE)

Reichweite
(20.000
 IE/Woche)
Kosten/Woche
(Basis KVP)
Colecalciferol Sandoz Weichkapseln 14 Stk. 1 Weichkapsel 14 Wochen ~0,37 €
30.000 IE
Name Menge

Wochendosis

(30.000 IE)

Reichweite
(30.000
 IE/Woche)
Kosten/Woche
(Basis KVP)
Oleo-D3 Filmtabletten 8 Stk. 1 Filmtablette 8 Wochen ~0,62 €

Tabelle 2: Vitamin-D3-Monopräparate im Erstattungskodex. 1 IE = 0,025 µg Vitamin D3 (Stand: 02/2026).


In diesem Zusammenhang ist auch vor Vitamin-D-Präparaten aus dem Internet zu warnen, die häufig sehr hohe Dosierungen enthalten und somit ein erhöhtes Toxizitätsrisiko bergen. Auch die gleichzeitige Anwendung mehrerer Vitamin-D-haltiger Mittel (z. B. Multivitaminpräparate) kann zu einer unerwünschten Überversorgung führen. Auch die häufig anzutreffende Kombination mit Vitamin K sollte ärztlich abgeklärt werden.

Fazit

  • Viele Vitamin-D-Bestimmungen sind unnötig; eine routinemäßige Bestimmung bei gesunden Personen wird nicht empfohlen.
  • Wenn die tägliche Versorgung mit 800 IE über Nahrung und Sonnenlicht nicht erreicht wird, sollte eine Supplementierung mit Vitamin-D-Präparaten erfolgen.
  • Toxische Spiegel sind erst bei höheren Dosierungen über lange Zeiträume zu erwarten, weshalb eine Supplementierung auch ohne vorherige Spiegelbestimmung begonnen werden kann.
  • Bei der Auswahl geeigneter Präparate sollten neben dem Therapieziel (schnelle Spiegelanhebung bzw. Dauermedikation) auch ökonomische Gesichtspunkte eine Rolle spielen.
  • Aktuelle Informationen zu im EKO gelisteten Arzneimitteln inkl. ökonomischer Hinweise finden Sie im Infotool zum Erstattungskodex (www.erstattungskodex.at) sowie in der mobilen Version EKO2go, die für Smartphones und Tablets als App im Download zur Verfügung steht.

Quellen

[1] Lips, P. et al. Current vitamin D status in European and Middle East countries and strategies to prevent vitamin D deficiency: a position statement of the European Calcified Tissue Society. Eur J Endocrin 2019; 180:23–54.

[2] Holick, MF. The vitamin D deficiency pandemic: Approaches for diagnosis, treatment and prevention. Rev Endocr Metab Disord 2017; 18:153–65.

[3] Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE). www.oege.at

[4] Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). www.efsa.europa.eu/de/

[5] Heaney, R.P. et al. Human serum 25-hydroxycholecalciferol response to extended oral dosing with cholecalciferol. Am J Clin Nutr 2003; 77:204–10.