Die Initiative Gemeinsam gut entscheiden (Choosing Wisely Austria) unterstützt in Kooperation mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) Vertragspartnerinnen und Vertragspartner mit evidenzbasierten Empfehlungen und kostenfreien Materialien zur Reduktion von Überversorgung in der Allgemeinmedizin – für eine höhere Patient*innensicherheit.
Gezielt statt routinemäßig: Antibiotika sinnvoll einsetzen
Volle Wartezimmer und der Wunsch von Patientinnen und Patienten nach rascher medikamentöser Behandlung gehören zum Alltag der Allgemeinmedizin. Der Einsatz von Antibiotika ist dabei ein zentrales Thema: Sie werden häufig erwartet, bringen jedoch in vielen Situationen keinen Nutzen.
Hier setzt die Initiative Gemeinsam gut entscheiden (Choosing Wisely Austria) an. In Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) wurde eine Top-5-Liste mit evidenzbasierten Do-not-do-Empfehlungen entwickelt. Drei davon thematisieren die Überversorgung mit Antibiotika.
Drei zentrale Empfehlungen zum Antibiotikaeinsatz in der Allgemeinmedizin
Die Empfehlungen rund um unnötige Interventionen sind zielgruppengerecht aufbereitet: in laienverständlicher Form für Patientinnen bzw. Patienten und Angehörige sowie als fachliche Online-Informationen für Ärztinnen bzw. Ärzte und Gesundheitsberufe. Sie stehen kostenfrei zur Verfügung, unter anderem als handliche Gratis-Broschüren und Poster zum Bestellen und unterstützen den Dialog mit Patientinnen und Patienten.
Im Fokus stehen drei häufige und praxisrelevante Situationen:
- Keine Antibiotika bei unkomplizierten Infektionen der oberen Atemwege
Antibiotika verkürzen den Verlauf nicht, da diese Infektionen meist viral bedingt sind; sie erhöhen jedoch das Risiko für Nebenwirkungen. Empfohlen werden symptomlindernde Maßnahmen und ein abwartendes Vorgehen. - Unkomplizierte akute Otitis media nicht routinemäßig antibiotisch behandeln
Bei Kindern und Erwachsenen ist „Watchful Waiting“ in vielen Fällen sicher. Eine individuelle Einschätzung und adäquate Schmerztherapie stehen im Vordergrund. - Keine Antibiotika bei asymptomatischer Bakteriurie (mit Ausnahmen)
Der Nachweis von Bakterien im Urin ohne Beschwerden erfordert in der Regel keine Behandlung mit Antibiotika. Ausnahmen gelten allerdings für bestimmte Situationen, zum Beispiel während der Schwangerschaft.
Wachsendes Themenspektrum
Neben der Allgemeinmedizin stehen derzeit Informationsmaterialien zu den Themenbereichen Palliativversorgung, Endokrinologie, Pflege, Geriatrie, Nephrologie sowie ökologische Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen zur Verfügung. Die Themen Vorsorge und Gynäkologie befinden sich aktuell in Überarbeitung. Zusätzlich sind zwei neue Themenbereiche in Entwicklung.
Gemeinsam für eine hochwertige Gesundheitsversorgung
Die ÖGK kooperiert mit „Gemeinsam gut entscheiden“ (Choosing Wisely Austria), um Ärztinnen und Ärzte sowie Versicherte bei fundierten, evidenzbasierten Gesundheitsentscheidungen zu unterstützen.
Was bedeutet das konkret für Medizinerinnen und Mediziner?
- Praxisnahe Orientierung: Evidenzbasierte Empfehlungen für häufige diagnostische und therapeutische Entscheidungen
- Unterstützung bei Shared Decision Making: Verständlich aufbereitete Informationen erleichtern die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten
- Stärkung der Behandlungsqualität: Fokus auf Nutzen, Risiken und Alternativen statt auf routinemäßige Mehrleistungen
- Fachlich unabhängig: Inhalte werden gemeinsam mit Fachgesellschaften entwickelt
Starke Partnerschaft
Das interdisziplinäre wissenschaftliche Team von Gemeinsam gut entscheiden (Choosing Wisely Austria) ist am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation (Universität für Weiterbildung Krems) sowie am Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung (Medizinische Universität Graz) angesiedelt. Die Top-Listen basieren auf internationalen Empfehlungen und werden in enger Zusammenarbeit mit der jeweiligen Fachgesellschaft auf den österreichischen Kontext abgestimmt. Die Umsetzung wird durch die Förderung der ÖGK sowie des Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) ermöglicht.
Das Projekt der Donau-Universität Krems wird von der ÖGK finanziell unterstützt und zusätzlich durch eine mediale Kooperation begleitet. So erhalten Versicherte wie auch medizinische Fachpersonen Zugang zu verlässlichen, verständlichen und wissenschaftlich geprüften Informationen.
Mehr Infos zu diesem Thema finden Sie auf https://gemeinsam-gut-entscheiden.at/.