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Ernährungs­management vor und nach Operationen

Pilotprojekt im Hanusch-Krankenhaus. Konzept und konkrete Umsetzung wurden im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung präsentiert.

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Die Wichtigkeit eines möglichst guten Ernährungszustandes von Patientinnen und Patienten in der Phase rund um eine Operation rückt zunehmend in die Aufmerksamkeit der Medizin. Der Ernährungszustand hat Auswirkungen auf die Komplikationsrate, die Genesungszeit sowie die Wundheilung und beeinflusst damit langfristig die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig zeigen Studien, dass rund ein Viertel der Patientinnen und Patienten vor Operationen mangelernährt ist. Seit Herbst 2023 wird daher im Hanusch-Krankenhaus der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) in Wien in einem Pilotprojekt das so genannte „Perioperative Ernährungsmanagement“ schrittweise als Standard etabliert. Verantwortlich dafür zeichnet das neu gegründete interdisziplinäre Ernährungsteam unter der Leitung von Anästhesist und Intensivmediziner OA Dr. Florian Luf und Diätologin Regina Fertschak, BBSc. Umgesetzt wird es gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der involvierten Abteilungen. Fachlich begleitet wird das Projekt von Univ.-Prof. Dr. Michael Hiesmayr von der Medizinischen Universität Wien. Der Experte ist unter anderem als Autor der europäischen Ernährungsleitlinien bekannt.

Optimierung des Ernährungszustands vor der Operation

Viele Operationen werden heute langfristig geplant. Das ermöglicht es, Mangelernährung schon frühzeitig zu erkennen und wenn nötig gegenzusteuern. Im Rahmen des Pilotprojekts werden im Hanusch-Krankenhaus Patientinnen und Patienten bereits bei ihrem Erstkontakt in den Ambulanzen anhand eines kurzen Fragebogens auf Mangelernährung gescreent. Dabei wird beispielsweise nach Appetitverlust, Gewichtsabnahme oder Verdauungsproblemen gefragt. Alle Patientinnen und Patienten erhalten Empfehlungen für die Ernährung vor der Operation. Bei Mangelernährung bietet das Hanusch-Krankenhaus den Betroffenen vor der Operation einen Termin bei der hausinternen medizinischen Ernährungsberatung an.

Ernährungsmanagement im Rahmen des stationären Aufenthaltes

Während des gesamten Krankenhausaufenthaltes zielt die Therapie darauf ab, den Ernährungszustand und Stoffwechsel der Patientinnen und Patienten im Auge zu behalten und zu optimieren. Beispielsweise erhalten manche Patientinnen und Patienten unmittelbar vor der Operation ein glukosehaltiges Getränk. Mit diesem „Carbo-Loading“ wird der Körper für die oft sehr belastende Operation vorbereitet. Nach der Operation wird sowohl auf der Intensivstation als auch nach dem Transfer auf die Normalstationen zunehmend multidisziplinär auf eine adäquate Ernährungstherapie geachtet. Dazu arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Diätologie, Pflege und Spitalsküche eng zusammen. Am Ende des Krankenhausaufenthaltes ist eine Ernährungsberatung für zu Hause vorgesehen und bei Bedarf werden die Beratungen ambulant fortgesetzt. Die genannten Maßnahmen werden vom Ernährungsteam laufend evaluiert, weiterentwickelt und adaptiert.

Mehr als 100 Interessierte bei Fortbildungsveranstaltung

Um den aktuellen Stand des Projekts und Hintergrundwissen einem breiten Fachpublikum zu vermitteln, lud das Ernährungsteam Ende Februar zur Fortbildungsveranstaltung „Perioperatives Ernährungsmanagement – Ein zukunftsfähiges Modell am Beispiel des Hanusch-Krankenhauses?“. Das Interesse war groß, die Veranstaltung mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer rasch ausgebucht. Für die Ärztliche Direktorin des Hanusch-Krankenhauses Priv.-Doz.in Dr.in Valerie Nell-Duxneuner war die Veranstaltung ein wichtiger Beitrag zur interdisziplinären Zusammenarbeit und zur Sensibilisierung für das Thema Ernährung im Krankenhaus: „Einmal mehr ist das Hanusch-Krankenhaus Vorreiter bei einem wichtigen Thema. Gemeinsam beweisen alle involvierten Kolleginnen und Kollegen ihr Engagement und ihre Innovationskraft zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten“.

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Referentinnen und Referenten der Fortbildungsveranstaltung: V.l.n.r.: Univ.-Prof. Dr. Michael Hiesmayr von der Medizinischen Universität Wien, Priv.-Doz.in Dr.in Valerie Nell-Duxneuner, OA Dr. Florian Luf, Regina Fertschak, BBSc, Tanja Ostermann, OA Dr. Ralph Simanek und OA Dr. Simon Linke (ÖGK / Simon Kupferschmied)