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Konzentration bei Kindern fördern


Konzentration ist eine unerlässliche Fähigkeit, die wir Menschen brauchen, um planen und handeln zu können. Von wenigen Sekunden bis hin zu einer Stunde reicht die Konzentrationsdauer über alle Entwicklungsschritte hinweg. Es beginnt bereits im Säuglingsalter: Babys üben ihre Konzentration in der unmittelbaren Umgebung. Aber auch bei größeren Kindern ist es wichtig, diese Fähigkeit im Umfeld zu üben.

In diesem Beitrag erfahren Sie,

  • was Konzentration genau ist,
  • was Konzentrationsschwächen bedingt und
  • wie Sie die Konzentration fördern können.

Was ist Konzentration eigentlich genau?

Aufmerksamkeit und Konzentration werden häufig als Synonym verwendet. Beides meint die Fähigkeit, einer bestimmten Tätigkeit sorgfältig und mit einer gewissen Ausdauer nachgehen zu können. Genauer gesagt ist Aufmerksamkeit die Fähigkeit, einer bestimmten Handlung aufmerksam nachzugehen. Und die Konzentration ermöglicht es, die Aufmerksamkeit für eine gewisse Zeit aufrechtzuerhalten, ohne sich von nicht relevanten Geschehnissen ablenken zu lassen.

 

Die Konzentration kann durch verschiedene Faktoren gestört werden. Diese sehen wir uns nun genauer an.

Woher kommen Konzentrationsschwächen?

Die Konzentration kann durch viele Faktoren negativ beeinflusst werden. Einige davon können wir als Eltern beeinflussen, um die Konzentration unserer Kinder zu fördern. Die häufigsten Störfaktoren sind:

  1. Geräusche, Lärm und Ablenkung
    Geräusche und Lärm können die Konzentration maßgeblich stören. Die Hauptquellen sind dabei Geschwister bzw. andere Menschen, aber auch der Fernseher, das Handy oder schlicht Musik.
  2. Müdigkeit
    Schlaf ist für unser Gehirn essenziell. Sind wir nicht gut ausgerastet, haben wir nicht die nötige Energie, um uns konzentrieren zu können.
  3. Frust durch Schwierigkeit
    Der Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe wirkt sich auf unsere Erwartungen aus, diese zu lösen. Wenn eine Aufgabe für uns zu schwierig ist, glauben wir, dass wir die Aufgabe nicht schaffen, und das erzeugt Frust. Dieser wirkt demotivierend und beeinflusst die Konzentration negativ. Frust ist eine starke Emotion, die zusätzlich unsere Denk- und Konzentrationskapazität bindet.
  4. Druck
    Die Konzentration wird aber auch durch Druck von außen beeinflusst. Die Erwartungen und der Druck durch andere Personen hemmen die Konzentration. Druck löst nämlich Stress in uns aus.
  5. Stress und innere Unruhe
    Stress ist für viele Bereiche schädlich, vor allem wenn er längerfristig auftritt. Er versetzt uns in eine Art Alarmbereitschaft und bindet somit wertvolle Denkleistung. Auch die nötige Konzentration, die zum Lernen benötigt wird, leidet darunter. Stress verursacht hauptsächlich Ängste und Sorgen. Das gezielte Fokussieren auf Aufgaben und das kreative Lösen von Problemen wird hintangestellt und macht das Konzentrieren deutlich schwieriger.
  6. Geringes Interesse
    Je weniger uns die Aufgabe oder das Thema interessiert, desto schwieriger ist es, unsere Konzentration darauf zu richten und beizubehalten. In solchen Fällen schweifen unsere Gedanken viel leichter zu interessanteren Themen ab.
  7. Überlastung
    Besonders Kinder brauchen noch viel Unterstützung in der Planung. Viele gleichzeitige Aufgaben überfordern sie. Auch eine große Aufgabe kann oft eine unbezwingbare Herausforderung darstellen. Das ist ebenso der Fall, wenn diese Aufgabe aus zu vielen Zwischenschritten besteht.
  8. Wenig Bewegung
    Generell sind Bewegung und Ausgleich wichtige Ressourcen und verschaffen uns oftmals dringend benötigte Pausen. Fehlt uns regelmäßige Bewegung, kann das zu schlechterem Schlaf, weniger Pausen und dadurch zu geringerer Konzentration führen.

10 Tipps zur Förderung der Konzentration

Um die Konzentration zu fördern gilt es, diese gezielt zu üben und Störfaktoren so gut wie möglich auszuschalten. Folgende Punkte fördern die Konzentration: 


  1. Loben
    Loben Sie die Anstrengungen Ihres Kindes, nicht das Ergebnis. Besonders für Kinder ist es oft ein weiter Weg, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Lob hilft ihnen dabei, die Motivation und den Fokus aufrechtzuerhalten. Zum Beispiel: „Ich bin begeistert. Du hast dir richtig viel Mühe gegeben und es ist toll geworden“ oder ”Super, du machst die Arbeit aber fleißig!” 
  2. Kreative Lernstrategien
    Nutzen Sie verschiedene Darbietungsmethoden. Unterschiedliche Präsentation und verschiedenartiges Durcharbeiten des Lehrstoffs fördert die Synapsenbildung und weckt zusätzlich das Interesse. So bleibt das neu Gelernte schneller und besser im Gedächtnis. Rechnen kann zum Beispiel auch im Sand oder Schnee geübt werden oder beim Kochen: „Gib mir bitte zwei Zwiebeln und drei Knoblauchzehen. Wie viele Stücke hast du mir jetzt insgesamt gegeben?”

  3. Eigenmotivation fördern
    Eigenmotivation fördern wir, indem wir unseren Kindern klarmachen, wofür wir den Lehrstoff in der Praxis brauchen und wie wir ihn anwenden können. Daher ist es ratsam, so viel wie möglich in der Praxis anzuwenden. Was wir selbst sehen und erleben ist weitaus interessanter, als was wir bloß erzählt bekommen oder in Büchern lesen. Wenn unsere Kinder zum Beispiel gerne Lehrerin bzw. Lehrer spielen, ist das perfekt um Mathematik, Deutsch und andere Schulfächer zu üben. Ihre Kinder sind dadurch viel interessierter und voll und ganz bei der Sache. Im Spiel können Lehrmaterialien vorbereitet oder Unterrichtsstunden gehalten werden. Vielleicht auch gleich noch mit Büchern unterstützen und schon lernen unsere Kinder ganz von alleine.

    Alles was uns selbst nutzt, wird auch eher angenommen und umgesetzt und fördert somit das Eigeninteresse und steigert die Konzentration.
  4. Autonomie fördern
    Selbstständigkeit ist in der Bedürfnispyramide ganz oben an der Spitze zu finden. Für Erwachsene wie auch für Kinder ist die Unabhängigkeit sehr wichtig, um sich gut weiterentwickeln zu können. Um das Interesse und die Motivation für ein bestimmtes Thema zu heben, sind daher Selbstbestimmung und Freiheit enorm von Bedeutung. Alles, was wir jemanden aufzwingen, erzeugt eher Ablehnung. Das heißt, bauen wir Druck auf und versuchen unsere Kinder von etwas dringlich zu überzeugen, stoßen wir eher auf Ablehnung und mindern das Interesse und die Motivation. Selbst wenn wir sie dann doch noch davon überzeugen können, wird die Konzentration, die sie dafür aufwenden, gering sein. Lassen wir ihnen hingegen so viel Freiraum wie möglich und haben sie dann das Gefühl, selbstbestimmt handeln zu können, hebt das die Motivation und die Konzentration. Lassen Sie Ihr Kind etwa auswählen, womit es sich beschäftigen kann, oder lassen sie es seine Zeit selbst einteilen. Wichtig ist hier, dass Sie Ihren Nachwuchs nicht überfordern und sowohl die Autonomie als auch die Unterstützung entwicklungsgerecht sind.  

    Ein einfaches Beispiel ist die Wahl der Kleidung. „Möchtest du heute lieber den Sternenschal oder den mit den Punkten?” erzeugt viel weniger Widerstand als ”Nimm einen Schal, bitte!”
    Das geht natürlich auch bei den Hausaufgaben. Fragen Sie einfach nach, mit welchem Teil Ihr Kind anfangen möchte oder lassen Sie es planen, wann es die Hausaufgaben machen möchte.
  5. Regelmäßigkeit
    Dinge regelmäßig zu machen, gibt unseren Kindern Sicherheit und Halt. Routinen/Rituale werden zur Gewohnheit und sind damit ein fixer Bestandteil des Alltags. Ein Fixpunkt, auf den sich unsere Kinder verlassen können. Das mindert den Stress und lässt mehr Raum für wertvolle Denkkapazitäten. Sind unsere Kinder gewohnt, zu einer gewissen Zeit zu lernen oder Hausaufgaben zu machen, ist der Widerstand geringer und sie können sich dadurch besser konzentrieren.
  6. Planen
    Auch Pläne und vorhersehbare Tagesabläufe unterstützen den Prozess von Konzentration. Daher ist es ratsam, einen Tages- oder Wochenplan auch für die Freizeit zu gestalten. So können unsere Kinder nachschauen, wann was zu erledigen ist. So können sie sich vorab darauf einstellen und werden nicht überrascht. Es unterstützt den Aufbau von Routinen und hebt gleichzeitig die Selbstständigkeit.
  7. Pausen einhalten
    Pausen sind wichtig. Unser Gehirn braucht Zeit um alles zu verarbeiten, aber auch um selbst ”Pause” zu machen. Wir Menschen können nicht rund um die Uhr konzentriert arbeiten. Das überfordert Erwachsene gleichermaßen wie Kinder. Konzentration ist sehr anstrengend und verbraucht viel Energie, daher ist die Zeit, in der wir uns konzentrieren können, begrenzt und erfordert auch Pausen. Im Schnitt liegt die maximale Konzentrationsdauer von Kindern im Alter von fünf bis sieben Jahren bei 15 Minuten und von zwölf bis 16 Jahren bei 30 Minuten. Danach braucht es angemessene Pausen von mindestens fünf bis zehn Minuten, um sich zu erholen.
  8. Konzentrationsspiele
    Konzentrationsspiele wie Rückwärtszählen, Reime oder auch „Ich packe meinen Koffer…” sind durchaus sinnvoll und können ohne großen Aufwand in den Alltag eingebaut werden. Autofahrten oder Wartezeiten eignen sich dafür beispielsweise besonders gut. Konzentration entwickelt sich zwar überwiegend alleine, dennoch erleichtert es unseren Kindern das Konzentrieren, wenn wir mit ihnen regelmäßig üben. Zu viel an Konzentrationsvermögen gibt es nicht. Nur wenn wir versuchen unseren Kindern die Konzentration mit Druck abzuverlangen, ist das nicht förderlich.

    Vielen Kindern machen Knobelspiele Spaß. Also alle Spiele, bei denen Sie Lösungen finden müssen. Dazu zählen etwa Sudokus, Labyrinthe, Rätselaufgaben oder auch ein Rubik-/Zauber-Würfel.
  9. Gesellschaftsspiele
    Auch Gesellschaftsspiele fördern die Konzentration und machen zusätzlich Spaß. Dabei kann alles herangezogen werden, bei dem die Aufmerksamkeit und der Fokus auf ein Ziel ausgerichtet sind.  Gesellschaftsspiele haben noch viele weitere Vorteile, da sie gewissen Regeln unterliegen, die befolgt werden müssen. Und solche Spiele fordern und fördern das soziale Miteinander. Somit lernen und üben unsere Kinder, ohne dass es ihnen auffällt.
  10. Lesen
    Das Lesen erfordert ebenfalls viel Konzentration und trainiert diese auch mit. Perfekt, wenn wir als Elternteil mal keine Zeit haben, um aktiv gemeinsam mit den Kindern zu üben. Aber auch bei Kindern, die noch nicht lesen können, leisten Bilderbücher, Suchrätsel oder Vorlesen gute Dienste. Zusätzlich wirkt Lesen oder auch Vorlesen beruhigend und eignet sich gut zum Einläuten von Pausen oder Ruhephasen.

Fazit

Die Konzentration ist eine wichtige Fähigkeit, die alle Lebensbereiche betrifft. Daher ist es wichtig, ein Augenmerk darauf zu haben. Dennoch sollten wir nichts mit Druck oder gar Zwang durchzusetzen versuchen.
Konzentration lässt sich in allen Bereichen und im Alltag gut üben. Gezielte Knobel- und Konzentrationsspiele bringen Abwechslung in den Alltag und machen Kindern Spaß. Diese Gelegenheit können wir als Eltern daher gut nützen.

Gastautorin

Gastautorin Ines WurbsMag. Ines Wurbs ist diplomierte Psychologin und Mama von zwei Kindern. Sie arbeitet bereits seit vielen Jahren mit Kindern, Jugendlichen und Eltern zusammen. Die langjährige Arbeit in Schulen und mit Eltern hat gezeigt, dass niemand die Kinder besser kennt als die Eltern selbst. Sie sind die wahren Expertinnen und Experten, wenn es um ihre Kinder geht. In ihrem Online-Magazin Familiencouch.com versucht sie, den Eltern wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Psychologie praxisnah zu vermitteln.


Zuletzt aktualisiert am 25. April 2023