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Richtig schenken schafft Geborgenheit

Familie_Bildquelle: Pressmaster/shutterstock.com

„Frühe Hilfen“-Psychologin gibt Tipps für ein harmonisches Weihnachtsfest. 

Weihnachten in der Zeit der Pandemie stellt viele Eltern vor besondere Probleme. Denn sie haben Schwierigkeiten, mit dem Erwartungsdruck ihrer Kinder richtig umzugehen. Vor allem bei Babys und Kleinkindern rätseln junge Mütter und Väter über das richtige Geschenk.

Die Klinische und Gesundheitspsychologin Mag. Isabelle Schön von „Frühe Hilfen NÖ“, einem Präventionsprojekt der Österreichischen Gesundheitskasse, weiß um die Wichtigkeit von Ritualen. Die Familienbegleiterin gibt Tipps, worauf es beim Schenken jetzt ankommt und wie die Vorweihnachtszeit im zweiten Corona-Jahr 2021 harmonisch und entspannend wird.

Rituale geben Kindern Sicherheit. Das ist besonders wichtig in Zeiten der Pandemie. Kinder haben viel Verunsicherung erlebt in den letzten zwei Jahren. Daher waren und sind Belastungen für fast alle Menschen spürbar“, sagt die Expertin. Das gemeinsame Lesen oder kreative Tätigkeiten wie Basteln oder Keksebacken können gerade jetzt ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit vermitteln. „Auch ein Spaziergang in der Kälte und das Einkuscheln mit einem warmen Tee danach kann wunderschön sein“, sagt Schön. 

Technik bringt Einsamkeit und macht nicht zufrieden

Die Psychologin weiß, dass Kinder leicht in den Bann der Technik gezogen werden. Aber ist das Tablet mit Kinderwagenhalterung, das Handy für das Volksschulkind oder die neueste Spielkonsole das allerbeste Geschenk unter dem Christbaum? „In Wahrheit erzeugt die Technik in diesem frühen Alter oft Einsamkeit“, weiß die Leiterin von „Frühe Hilfen NÖ“. „Die Kleinen sind damit gut ,beschäftigt‘ oder ‚ruhig gestellt‘. Gleichzeitig sind sie aber überfordert und wenig zufrieden oder glücklich. Ihr Gehirn muss sehr schnell mit einer Reizüberflutung fertig werden. Das zeigt sich danach meist in überaktivem Verhalten oder bei älteren Kindern und übermäßigem Medienkonsum in Zurückgezogenheit, Antriebslosigkeit oder Aggression.“

Im Blick des Gegenübers: Zeit ist das schönste Geschenk

Ganz im Gegensatz dazu schafft gemeinsames Spielen emotionale Nähe. Diese sei die Grundlage einer gelungenen Bindung, ist die Psychologin überzeugt: „Zeit ist also das schönste Geschenk, das Kinder von ihren nahestehenden Personen erhalten können. Alles, was Interaktion fördert, ist wunderbar für Kinder“, so Schön weiter. „Altersentsprechende Brettspiele beispielsweise können ruhig fordernd sein – ohne zu überfordern, denn das kann frustrieren. Es geht hier hauptsächlich darum, dass Kinder erleben, dass sich Mama, Papa, Oma, Opa, Tante oder Onkel die Zeit nehmen, mit ihrer Aufmerksamkeit ganz beim Kind zu sein“, stellt die Familienbegleiterin klar. Dabei sei es wichtig, das eigene Handy wirklich wegzulegen und auch sonst nichts nebenbei zu machen. Die Kleinen sollen spüren, dass sie in diesen Momenten ganz im Blick des Gegenübers sind. Das erzeugt ein Gefühl von Wärme, Nähe und Geborgenheit. An diesen schönen Interaktionen wachsen Kinder und profitieren emotional langfristig, erläutert die Psychologin. 

Frühe Hilfen NÖ

„Frühe Hilfen NÖ“ ist ein Präventionsprojekt der Österreichischen Gesundheitskasse und steht Familien in Niederösterreich ab Beginn einer Schwangerschaft bis zum dritten Geburtstag des jüngsten Kindes mit Unterstützung zur Verfügung – kostenfrei, anonym und freiwillig. Ein multiprofessionelles Team besucht die Familien in ihrem jeweiligen Umfeld und arbeitet gemeinsam mit ihnen daran, Belastungen zu reduzieren und Ressourcen aufzudecken.

Derzeit wird „Frühe Hilfen“ der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) in Niederösterreich in den Bezirken Wiener Neustadt Stadt und Land, Baden, Lilienfeld, Mödling und Neunkirchen angeboten und von der von der Argef GmbH durchgeführt.

Nähere Informationen unter 0664 88602120 oder auf www.argef.at.

Zuletzt aktualisiert am 29. November 2021