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Evaluationsergebnisse zur Sturzprävention 2019


 

„Trittsicher und mobil“ bleiben!

Mit den ÖGK-Sturzpräventionskursen durch regelmäßiges Üben das Sturz- und Verletzungsrisiko senken

Seit September 2019 gibt es für Senioren ab 65 Jahren in der Steiermark das Angebot des kostenlosen Sturzpräventionskurses „Trittsicher und mobil“.

In 12 Einheiten (1x wöchentlich) lernen die Senioren in der Kleingruppe spezielle Übungen. Mit diesen Übungen können sie Gleichgewicht, Kraft und Reaktion verbessern.

Die Kursteilnehmenden erhalten auch Unterlagen für zuhause. Damit können sie regelmäßig Üben und langfristig ihre Selbsteinschätzung und Lebensqualität verbessern.

Tanzende Senioren / Copyright Fotolia Robert Kneschke







Die ersten Kurse 2019

Die ersten 27 Kurse fanden 2019 in einigen steirischen Pilotbezirken statt. Gesunde Gemeinden, Senioreneinrichtungen, Seniorenvereine und Vertragspartner der ÖGK organisierten die Kurse vor Ort. Durchgeführt wurden die Kurse von geschulten Sportwissenschaftlern, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten.

  • Insgesamt nahmen 274 Senioren in der Pilotphase an den Kursen teil.
  • Davon waren rund 85 Prozent Frauen.
  • Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 75,8 Jahren.
  • Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmenden sind in dem Jahr vor Kursstart einmal oder mehrfach gestürzt.
  • Die beiden häufigsten Sturzarten waren Stolpern und Ausrutschen.

Die motorische Testung im Kurs

Zu Beginn des Kurses: Die Teilnehmenden führten mehrere motorische Tests zu Gleichgewicht, Kraft und Koordination durch. So bestimmte der Trainer das Ausgangslevel jedes Teilnehmenden und der Trainingsplan wurde darauf abgestimmt.

Senioren in Bewegung / Copyright Jansenberger

Am Ende des Kurses: Die Teilnehmenden wiederholten die motorischen Tests. Sie erhielten ein Zeugnis mit ihrem persönlichen Trainingsergebnis.





Ergebnisse nach den 12 Kurseinheiten

  • Verbesserte motorische Fähigkeiten: Im Kursverlauf kam es zu einer statistisch bedeutsamen Steigerung der motorischen Fähigkeiten der Teilnehmenden. Durchschnittlich verbesserten sich die Senioren um 16 Prozent in den Bereichen Beinkraft, Standgleichgewicht, Erreichfähigkeit in der maximalen Schrittlänge und Gehgeschwindigkeit.

  • Hohe Teilnahme: Knapp 80 Prozent der Teilnehmenden haben mindestens neun der 12 Kurseinheiten besucht.
  • Hohe Zufriedenheit: Über 95 Prozent der Teilnehmenden waren sehr zufrieden mit den Kursen, dem Kursaufbau und den Trainer/innen und Therapeut/innen der Kurse.
  • Weniger Sturzangst: Rund 77 Prozent der Senioren hatten weniger Sturzangst als zu Kursbeginn.
  • Mehr Sicherheit im Alltag: Über 90 Prozent der Senioren gaben an, wieder mehr Sicherheit bei Alltagsbewegungen zu haben.

Ein Jahr nach Kursende

Zwölf Monate nach Kursende wurden alle Kursteilnehmende noch einmal mittels Telefoninterviews befragt.

  • Weniger Stürze insgesamt: Es wurden um 80,3 Prozent weniger Stürze genannt, als 12 Monate vor dem Kursbeginn.

  • Weniger gestürzte Personen: Ebenso nahm der Anteil der Personen, die zu Sturz gekommen sind, deutlich ab (sh. Abbildung 1). Waren vor Kursbeginn mehr als die Hälfte der Teilnehmenden bereits einmal oder mehrfach gestürzt, gaben ein Jahr später nur mehr 16 Prozent an wieder gestürzt zu sein.

Tabelle Anteil stürzende Senioren / Copyright ÖGK

Abbildung 1: Prozentualer Anteil der Stürzenden ein Jahr vor dem Kurs (Intervention) und ein Jahr nach Kursende




  • Weniger Knochenbrüche: Senioren, die mindestens neun von 12 Kurseinheiten besuchten, hatten einen deutlich geringeren Anteil an Stürzen mit Knochenbruch als Folge, als Personen, die den Kurs weniger häufig besuchten.

  • Viele üben langfristig weiter: Erfreuliche 70,5 Prozent der ehemaligen Kursteilnehmenden gaben an, dass sie nach Ende des Kurses regelmäßig weiterübten und noch immer üben.
    43 Prozent der Teilnehmenden üben sogar täglich. Sie nutzen vor allem das Übungsbuch aus dem Kurs, die Erinnerung, Angebote aus dem Fernsehen, Gymnastikgruppen oder das Fitnessstudio.


Eine Expertenmeinung zum Kurserfolg

Mag. Harald Jansenberger, Sportwissenschaftler und Sturzpräventionsexperte aus Linz merkt zum Erfolg der Kurse an: „Die Wirksamkeit dieses Sturzpräventionsprogramms ergibt sich u.a. aus dem speziellen Modulaufbau des Kurses, der 12-wöchigen Kursdauer und dem regelmäßigen Üben. In Oberösterreich werden die Kurse seit 2013 durchgeführt und die Ergebnisse in der langfristigen Sturzreduktion sind sehr ähnlich wie in der Steiermark.

Dass Sturzpräventionsprogramme wie dieses auch Einsparungen im System mit sich bringen, liegt auf der Hand. Ein Sturz mit Oberschenkelhalsbruch (OSH) kostet dem System inklusive Operation, Rehabilitationsmaßnahmen und Pflegeleistungen vorsichtig geschätzt 15.000-20.000 Euro. Auch andere Verletzungen durch Stürze, die entstandene Sturzangst und daraus resultierende Pflegekosten, benötigte Hilfsmittel und Therapien sind kostenintensiv. Bedenkt man, dass etwa drei von 100 Stürzen zu einem Oberschenkelhalsbruch führen, können durch jeden einzelnen, mittels Sturzprävention verhinderten OSH-Bruch hohe Kosten eingespart werden. Bei sieben OSH-Brüchen läge das Einsparungspotential bereits geschätzt bei 100.000 Euro.  

Zuletzt aktualisiert am 04. November 2021