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Langes Schwingen


Langes Schwingen

Foto: Dr. Paul Scheibenpflug
In vielen Gymnastikeinheiten zu einer einfachen Aufwärm/Mobilisierungsübungen degradiert, ist Langes Schwingen eine meiner Lieblingsübungen, weil sie so einfach ist und doch gleich in mehrfacher Weise zur Entspannung beitragen kann.






WIE
Knieweicher, etwa beckenbreiter Stand. Aus dem rechten Bein und rechter Hüfte eine halbe Drehung nach links machen, rechte Ferse hebt dabei ab, Arme pendeln passiv locker mit. Dann die gleiche Bewegung in die andere Richtung.

Das Tempo sollte fließend sein und wird von der Atmung bestimmt. Dreiteilige Atmung: nach rechts einatmen, nach links ausatmen, nach rechts ausgeatmet bleiben. Anschließend nach links einatmen, nach rechts ausatmen und nach rechts ausgeatmet bleiben usw.

WARUM
Loslassen können
Passiv die Trägheit bzw. Zentrifugalkraft wirken lassen - wirkt beruhigend auf die Psyche.

Entspannung der Rumpfmuskulatur
Die tief liegenden, schrägen Rückenmuskeln werden sanft bewegt und durchblutet. Respektive bei Berufen mit Zwangshaltung bzw. bei genauen Arbeiten.

Entspannendes Atmen
Dieser dreiteilige Atemrhythmus macht unsere Atmung tiefer und vollständiger. Da vegetative Nervensystem kann sich in der Phase der Ausatmung besser erholen.

Durchblutung der Hände
Wenn die Bewegungen aus der Hüfte (und nicht den Armen) durchgeführt werden, dann können die Hände durch die Zentrifugalkraft noch besser durchblutet werden.

Entspannung für die Augen
Wir können zwischen intuitiven und analytischem Sehen unterscheiden. Beim intuitiven Sehen lassen wir z. B. Form und Farben eines Baumes im Herbst auf uns wirken. Beim analytischen Sehen beginnen wir "die Blätter des Baumes zu zählen". Die Übung Langes Schwingen lässt sich auch als Augenübung nutzen, indem wir während der Drehbewegung die "Landschaft" an uns vorbei ziehen lassen, anstatt uns von einem Fixpunkt zum nächsten zu bewegen.

Eigenen Rhythmus finden
Atmung und Hebelverhältnisse, aber auch psychische Spannungszustände bestimmen unseren Bewegungsrhythmus. Große Menschen haben eine andere Pendelgeschwindigkeit wie kleine. Deshalb ist es nicht ratsam in einer Gruppe im gleichen Rhythmus die Übung durchzuführen, oder gar zu einer rhythmischen Musik. Stattdessen keine oder harmonische Hintergrundmusik und jeder für sich (z. B. bei Kreisformation mit dem Rücken zum Kreis stehen) …

Vollständige Atmung
Der Atem strömt bis in die feinsten Lungenbläschen in den Lungenspitzen. Das Zwerchfell und der Bauch mit den inneren Organen werden ausreichend "beatmet". Andererseits atmen wir mehr verbrauchte Luft aus.

Zwangshaltung
Feinmotorische Arbeiten gelingen nur, wenn große Muskelgruppen statische Haltearbeit verrichten: wenn wir mit der Maus einen Punkt am Bildschirm ansteuern oder ein gefülltes Glas halten, können nicht gleichzeitig Rumpf und Schultern lockere Bewegungen ausführen, sie müssen stabilisieren. Für diese Haltearbeit steht Muskeln weniger Blut (und damit Sauerstoff und Nährstoffe) zur Verfügung als sie brauchen würden. Bei der Hand- und Armmuskulatur verhält es sich so beim Halten von Werkzeugen. Besonders belastend werden Griffhaltungen, wenn man dabei den Schwingungen einer Maschine ausgesetzt ist.

Dr. Paul Scheibenpflug
Sport- und Kommunikationswissenschaftler mit Schwerpunkt Bewegungsergonomie und betriebliche Gesundheitsförderung
3032 Eichgraben, Wildgansstraße 6
E-Mail
Homepage: www.scheibenpflug.at

Zuletzt aktualisiert am 29. Oktober 2021