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Sachbezüge KFZ - Änderungen der Sachbezugswerteverordnung seit 1.1.2020

Veröffentlichung: 24.7.2020


Seit 1.1.2020 gelten die neuen Regelungen der Sachbezugswerteverordnung, die eine Änderung der Bemessungsgrundlage für Vorführkraftfahrzeuge, Bestimmungen über die Berücksichtigung einmaliger und laufender Kostenbeiträge von Dienstnehmern sowie eine Klarstellung über die Privatnutzung eines dienstgebereigenen Fahrrades oder Kraftrades vorsehen. Darüber hinaus gibt es seit 1.4.2020 eine Neuerung beim CO2-Messverfahren und angepasste CO2-Grenzwerte für die ökologisch begünstigte Besteuerung von Kraftfahrzeugen (KFZ). Coronabedingt wurde durch das BGBl. II Nr. 221/2020 in Ergänzung zum neuen CO2-Messverfahren eine Übergangsregelung für Erstzulassungen geschaffen.

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Vorführkraftfahrzeuge

Die Sachbezugsbewertung für Vorführkraftfahrzeuge sieht für Erstzulassungen seit 1.1.2020 eine Erhöhung der tatsächlichen Anschaffungskosten (einschließlich Sonderausstattungen) um 15 % zuzüglich Umsatzsteuer (USt) und Normverbrauchsabgabe (NoVA) vor. Für Erstzulassungen vor dem 1.1.2020 ist wie bisher eine Erhöhung um 20 % vorzunehmen.

Dies gilt jedoch nur in jenen Fällen, in denen ein KFZ-Händler seinen Mitarbeitern Vorführkraftfahrzeuge zur Privatnutzung zur Verfügung stellt (vgl. VwGH 21.11.2018, Ro 2016/13/0013). Für KFZ, die der Dienstgeber von einem KFZ-Händler als "Vorführwagen" erworben hat und seinen Dienstnehmern zur außerberuflichen Verwendung überlässt, kommen für die Sachbezugsbewertung die Bestimmungen für Gebrauchtwagen zur Anwendung.

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Kostenbeiträge von Dienstnehmern

Leistet der Dienstnehmer

  • einen einmaligen Kostenbeitrag für die Anschaffung eines KFZ bzw.
  • laufende Kostenbeiträge für die Privatnutzung eines KFZ,

vermindern diese den Sachbezugswert.

Durch die Änderung der Sachbezugswerteverordnung erfolgt eine Klarstellung, dass einmalige Kostenbeiträge vor Ermittlung des Sachbezuges von den tatsächlichen Anschaffungskosten in Abzug zu bringen sind und dann der vom CO2-Emissionswert abhängige Maximalbetrag von € 720,00 bzw. € 960,00 zu berücksichtigen ist.

Für laufende Kostenbeiträge ist zunächst der Sachbezug von den tatsächlichen Anschaffungskosten zu berechnen und im Anschluss daran der erbrachte Kostenbeitrag abzuziehen. Erst dann erfolgt die Berücksichtigung des Maximalbetrages von € 720,00 bzw. € 960,00.

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Privatnutzung Fahrrad oder Kraftrad

Neu ist auch die Regelung, dass bei Privatnutzung dienstgebereigener Fahrräder oder Krafträder mit einem CO2-Emissionswert von 0 Gramm pro Kilometer ein Sachbezugswert von Null anzusetzen ist. Zu diesen Krafträdern zählen Motorfahrräder, Motorräder mit Beiwagen, Quads, Elektrofahrräder und Selbstbalance-Roller mit ausschließlich elektrischem oder elektrohydraulischem Antrieb. Für andere Krafträder ist § 4 der Sachbezugswerteverordnung anzuwenden. 

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Neues CO2-Messverfahren

Mit 1.4.2020 erfolgte eine Umstellung der CO2-Emissionswertemessung für KFZ vom bisherigen NEFZ-Verfahren auf das WLTP-Verfahren bzw. WMTC-Verfahren (NEFZ = Neuer Europäischer Fahrzyklus, WLTP = weltweit harmonisiertes Prüfverfahren für leichte Nutzfahrzeuge, WMTC = weltweit harmonisierter Laborprüfzyklus für Krafträder).

Das bedeutet, dass für KFZ, die ab 1.4.2020 erstmals zugelassen werden, der im Zulassungsschein angeführte CO2-Emissionswert nach dem WLTP-Verfahren bzw. WMTC-Verfahren für die Sachbezugsbewertung heranzuziehen ist. Auf Grund dieser Änderung wurden auch die CO2-Grenzwerte (für die begünstigte Besteuerung) für KFZ-Erstzulassungen ab 1.4.2020 angepasst.

Für Erstzulassungen vor dem 1.4.2020 ist die Sachbezugsberechnung wie bisher anhand der CO2-Grenzwerte nach dem NEFZ-Verfahren vorzunehmen.

Für KFZ mit einer Erstzulassung ab 1.4.2020, die ausnahmsweise keinen WLTP-Emissionswert im Typenschein ausgewiesen haben (z. B. bei "auslaufenden Serien"), gilt weiterhin die Bewertung nach dem NEFZ-Verfahren sowie der CO2-Grenzwert von 118 Gramm pro Kilometer (g/km).

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Coronabedingte Übergangsregelung 

Für KFZ, für die vor dem 1.4.2020 ein gültiger Kaufvertrag bzw. Leasingvertrag abgeschlossen wurde und die nachweislich auf Grund der COVID-19-Krise nicht vor dem 1.4.2020 erstmalig zugelassen werden konnten (und daraus unter Umständen ein höherer Sachbezugswert resultiert), kann ab dem Lohnzahlungszeitraum April 2020 weiterhin die alte Sachbezugswerteverordnung bezogen auf das NEFZ-Verfahren (d. h. maximaler CO2-Emissionswert von 118 g/km) angewendet werden. Voraussetzung für diese Übergangsregelung ist, dass die Erstzulassung bis 30.5.2020 erfolgt ist.

Datum der ErstzulassungMax. CO2-Emissionswert
2019
121 g/km (NEFZ)
Jänner bis März 2020118 g/km (NEFZ)
April bis Mai 2020 (Übergangsregelung)118 g/km (NEFZ)
April bis Dezember 2020
141 g/km (WLTP)
2021
138 g/km (WLTP)
2022135 g/km (WLTP)
2023132 g/km (WLTP)
2024129 g/km (WLTP)
ab 2025
126 g/km (WLTP)


Beispiel 1:
Der Dienstgeber erwirbt im Dezember 2019 einen Neuwagen um € 30.000,00 einschließlich USt und NoVA. Die Erstzulassung erfolgt mit Jänner 2020 und der CO2-Emissionswert beträgt 117 g/km. Entsprechend der alten Regelung (NEFZ-Verfahren) gilt als CO2-Grenzwert bis 31.3.2020 118 g/km. Daher beträgt der Sachbezug € 450,00 (verminderter Sachbezug: 1,50 % von € 30.000,00). Dieser Sachbezugswert gilt auch für alle Folgejahre.

Beispiel 2:
Der Dienstgeber erwirbt im Juli 2020 einen Neuwagen um € 30.000,00 einschließlich USt und NoVA. Die Erstzulassung erfolgt ebenfalls im Juli 2020 und der CO2-Emissionswert beträgt 140 g/km. In diesem Fall kommt der neue CO2-Grenzwert nach dem WLTP-Verfahren zur Anwendung, der 141 g/km beträgt. Daher ergibt sich ein Sachbezugswert von € 450,00 (verminderter Sachbezug: 1,50 % von € 30.000,00).

Beispiel 3:
Der Dienstgeber erwirbt im März 2020 einen Neuwagen um € 30.000,00 einschließlich USt und NoVA. Die Erstzulassung erfolgt auf Grund der COVID-19-Krise erst im Mai 2020 und der CO2-Emissionswert beträgt 117 g/km. Entsprechend der coronabedingten Übergangsregelung gilt weiterhin der CO2-Grenzwert der alten Regelung (NEFZ-Verfahren) in Höhe von 118 g/km. Der Sachbezug beträgt somit € 450,00 (verminderter Sachbezug: 1,50 % von € 30.000,00).

Autorin: Patrizia Kaminsky/ÖGK