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Geschichte der Krankenversicherung in der Steiermark


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Die Anfänge

Landeshauptmannstellvertreter Machold, Dir. Matoschofsky, Obmann Bauer bei der Gleichenfeier des Verwaltungsgebäudes; Foto: ÖGK/ArchivObwohl die Wurzeln der österreichischen Sozialversicherung weit in die Vergangenheit zurückreichen, ist sie im wesentlichen ein Kind des 19. Jahrhunderts. Blickt man zurück, so zeigt sich die rasante Entwicklung der Sozialversicherung von zunächst bescheidenen Selbsthilfeorganisationen zu einem tragenden Pfeiler unserer modernen Gesellschaft. Als Vorläufer der Sozialversicherung können die "Gesellenladen" der mittelalterlichen Zünfte angesehen werden. Diese Gesellenladen gewährten bei wirtschaftlicher Notlage Darlehen und bei Krankheit unentgeltliche ärztliche Behandlung. Sie verloren jedoch gegen Ende des Mittelalters rasch an Bedeutung.

Von längerer Bestandsdauer waren die "Bruderladen" der Bergleute. Bei der mit großen Gefahren verbundenen bergmännischen Arbeit erwies sich die solidarische Gemeinschaftshilfe im Notfall als unentbehrlich. Die Bruderladen, die 1854 durch das Allgemeine Berggesetz eine Pflichteinrichtung wurden, sorgten für Krankenbehandlung und Sterbegeld und trugen Vorsorge für die Invalidität.

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Krankenversicherung 1888

Durch Fliegerangriffe 1945 zerstörtes Gebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse für Steiermark in der Hans-Resel-Gasse 6 (damals Mariengasse 6); Foto: ÖGK / ArchivZu einer gesetzlichen Regelung der Sozialversicherung im heutigen Sinn kam es in Österreich erstmals in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts. Mit dem Krankenversicherungsgesetz 1888 - erst 20 Jahre nach Gründung der ÖGK - wurde die gesetzliche Krankenversicherung in Österreich eingeführt, die sämtliche gewerbliche und industrielle Arbeiter und Angestellte erfasst hat. Die Angestellten unterlagen ebenso wie alle anderen unselbständig Beschäftigten der Pflichtversicherung. Sie waren zum Teil bei Bezirkskrankenkassen und Vereinskrankenkassen versichert. Das Bedürfnis nach eigenen Versicherungseinrichtungen führte zu einer Zersplitterung der Organisation der Krankenversicherung. Diese erwies sich als großer Hemmschuh, da Kassen, die oft nur über mehrere hundert Mitglieder verfügten, einfach nicht in der Lage waren, genügend Ärzte für ihre Mitglieder zu verpflichten. Ebenso wenig war eine Verteilung des Versicherungsrisikos möglich. Die Forderung nach einer Konzentration der Krankenversicherung wurde immer dringlicher. Die Zahl von ursprünglich 541 Krankenversicherungsträgern verringerte sich dadurch bis 1935 auf 62. Nach der Besetzung Österreichs durch die deutschen Truppen gingen die neuen Machthaber daran, österreichisches Recht durch reichsrechtliche Vorschriften zu ersetzen. Die ab 1. Jänner 1939 geltende "Reichsversicherungsordnung" brachte zwar erstmals auch für die Arbeiter eine Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversicherung, doch war die gesamte Sozialversicherung durch äußerst unzulängliche Versicherungsleistungen und eine Zersplitterung der Organisation charakterisiert. Die Selbstverwaltung wurde abgeschafft und die Organisation nach deutschem Muster durch das "Führerprinzip" geregelt. Nach der Wiedererrichtung der Republik Österreich bemühte man sich um eine Neuorganisation der Sozialversicherungsträger und stellte als wichtigste Maßnahme die Selbstverwaltung wieder her. Ursprünglich wollte man die Schaffung des neuen Rechts in mehreren Etappen vornehmen, es zeigte sich jedoch bald, dass dies wenig zielführend ist. So erarbeitete das Bundesministerium für soziale Verwaltung den Entwurf eines Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG), der auf einer Reihe von Vorschlägen des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger basierte.

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Die Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Invalidenkasse

Die Entwicklung des Krankenversicherungswesens in Österreich erfolgte zuerst über Eigeninitiativen. In der Steiermark, einem der frühen industriellen Zentren, kam es bereits im Jahr 1868 zur Gründung der "Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Invalidenkasse", mit dem Ziel, die Lage der sozial Schwächsten im Falle von Krankheit und Invalidität erträglicher zu gestalten. Die erste Kanzlei der am 1. August 1868 in der Puntigamer-Bierhalle (dem heutigen Orpheum) gegründeten Gebietskrankenkasse - heute Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) - befand sich in einer Wohnung eines damaligen Gebietskrankenkassenmitgliedes, am Hauptplatz 335 (heute Nr. 6) im 2. Stock hofseitig. Für die Mitglieder war an jedem Sonntag von 11 bis 12 Uhr ein Vereinsarzt anwesend. 

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Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG) vom 1.1.1956

Das ab 1. Jänner 1956 geltende ASVG löste die bis dahin geltenden Gesetze auf dem Gebiet der Sozialversicherung ab. Es fasste die Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung für die Arbeiter und Angestellten in Industrie, Bergbau, Gewerbe, Handel, Verkehr und der Land- und Forstwirtschaft zusammen und regelte außerdem die Krankenversicherung der Pensionisten. Für einige Sonderversicherungen blieben Sozialversicherungsgesetze außerhalb des ASVG bestehen. Das ASVG gliedert sich in zehn Teile. In Anpassung an die fortschreitende gesellschafts- und sozialpolitische Entwicklung wurden in der Zwischenzeit zahlreiche Änderungen und Gesetzesnovellen vorgenommen.

Zeittafel

1865 bis 1885Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Invalidenkasse
1885 bis 1928Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Unterstützungskasse
1928 bis 1935Kreiskrankenkasse Graz
1936 bis 1938

Landeskrankenkasse mit dem Titel:
Arbeiterkrankenkasse für Steiermark

1939 bis 1946Allgemeine Ortskrankenkasse für Steiermark
1946 bis 1947Gebietskrankenkasse für Steiermark
1948 bis 1982GKK für Arbeiter und Angestellte
1982 bis 2019Steiermärkische Gebietskrankenkasse
2020 bis jetzt
Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK)

Zuletzt aktualisiert am 24. April 2020