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Sachbezüge: Privatnutzung des Firmen-PKW

Veröffentlichung: NÖDIS Nr. 9/5.7.2019


Im zweiten Teil unserer Serie zum Thema Sachbezüge befassen wir uns mit der Privatnutzung des dienstgebereigenen Kraftfahrzeuges (KFZ).

Unter KFZ im Sinne des § 4 der Sachbezugswerteverordnung sind mehrspurige KFZ (PKW, Kombi, Fiskal-LKW) und Motorräder zu verstehen. Mopeds, Mofas, Fahrräder mit Hilfsmotor usw. sind davon ausgenommen (vgl. Lohnsteuerrichtlinien 2002 - LStR 2002, Randzahl 174a).

Besteht für den Dienstnehmer die Möglichkeit, ein firmeneigenes KFZ für Privatfahrten zu benützen, so ist dafür ein monatlicher Sachbezug anzusetzen. (Anmerkung: Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, die auch als Privatfahrten gelten, stehen weder Pendlerpauschale noch Pendlereuro zu.)

Höhe des Sachbezugswertes

Voller Sachbezug: Dieser beträgt laut Sachbezugswerteverordnung 2 % der tatsächlichen Anschaffungskosten des KFZ (einschließlich Umsatzsteuer und Normverbrauchsabgabe), jedoch maximal € 960,00 pro Monat.

Verminderter Sachbezug:
Für KFZ mit einem CO2-Emissionswert von nicht mehr als 121 Gramm pro Kilometer ist ein Sachbezug von 1,50 % der tatsächlichen Anschaffungskosten, maximal € 720,00 monatlich, anzusetzen.

Für Kalenderjahre bis 2016 ist als CO2-Emissionswert 130 Gramm pro Kilometer maßgeblich. Dieser Wert wird seit 2017 bis zum Jahr 2020 um drei Gramm jährlich gesenkt. Ab dem Jahr 2021 ist der CO2-Emissionswert des Jahres 2020 in Höhe von 118 Gramm relevant. 

Für die Ermittlung des Sachbezuges ist die CO2-Emissionswertgrenze im Kalenderjahr der Anschaffung des KFZ (oder der Erstzulassung) heranzuziehen. So kommt z. B. für ein im Jahr 2019 erworbenes KFZ mit einem CO2-Emissionswert von 120 Gramm pro Kilometer auch ab 2020 der begünstigte Steuersatz von 1,50 % zur Anwendung.

Halber Sachbezug:
Wird das dienstgebereigene KFZ nachweislich (z. B. durch ein Fahrtenbuch) im Jahresdurchschnitt nicht mehr als 500 Kilometer monatlich für private Zwecke benützt, ist der halbe Sachbezugswert in Höhe von 1 % der tatsächlichen Anschaffungskosten (maximal € 480,00 pro Monat) anzusetzen. Bei einem verminderten Sachbezug sind dies 0,75 % und maximal € 360,00 pro Monat.

"Mini-Sachbezug":
Verwendet der Dienstnehmer den Firmenwagen nur in sehr geringem Ausmaß für private Zwecke, kann ein Sachbezug auf Basis der privat gefahrenen Kilometer angesetzt werden. Voraussetzung ist, dass sämtliche Fahrten lückenlos in einem Fahrtenbuch aufgezeichnet werden.

Ergibt sich für ein KFZ mit einem Sachbezug

  • von 2 % bei Ansatz von € 0,67 (ohne Chauffeur) bzw. € 0,96 (mit Chauffeur),
  • von 1,50 % bei Ansatz von € 0,50 (ohne Chauffeur) bzw. € 0,72 (mit Chauffeur)

pro privat gefahrenem Kilometer ein geringerer Wert als die Hälfte des halben Sachbezuges, kann dieser geringere Wert angesetzt werden.

Kein Sachbezug:
Für Kalendermonate, in denen das KFZ nicht zur Verfügung steht (auch nicht für dienstliche Fahrten), fällt kein Sachbezug an. Dies gilt auch für KFZ mit einem CO2-Emissionswert von Null Gramm pro Kilometer (z. B. Elektroautos).

Der maßgebliche CO2-Emissionswert ist in der Typen- bzw. Einzelgenehmigung gemäß Kraftfahrgesetz 1967 oder in der EG-Typengenehmigung zu finden. Liegt für ein KFZ kein CO2-Emissionswert vor, ist der Sachbezug in Höhe von 2 % anzusetzen.

Ermittlung des Sachbezugswertes

Bei Neufahrzeugen bilden die tatsächlichen Anschaffungskosten die Basis zur Ermittlung des Sachbezugswertes. Diese umfassen neben der Umsatzsteuer und der Normverbrauchsabgabe auch die Kosten für Sonderausstattungen (z. B. integriertes Navigationsgerät). Gegenstände, die eigenständige Wirtschaftsgüter darstellen, wie beispielsweise ein mobiles Navigationsgerät, bleiben genauso unberücksichtigt wie der Wert der Autobahnvignette.

Werden Neufahrzeuge im Ausland erworben, so sind für die Bemessungsgrundlage des Sachbezugswertes die Anschaffungskosten im Ausland (netto), die Normverbrauchsabgabe und die inländische Umsatzsteuer anzusetzen.

Für die Sachbezugsbewertung von Gebrauchtfahrzeugen sind der Listenpreis und die CO2-Emissionswertgrenze im Zeitpunkt der erstmaligen Zulassung maßgebend. Sonderausstattungen bleiben dabei unberücksichtigt. Alternativ dazu können auch die nachgewiesenen tatsächlichen Anschaffungskosten (inklusive allfälliger Sonderausstattungen und Rabatte) des Ersterwerbers herangezogen werden. Diese Regelung gilt auch für sehr alte KFZ. (Anmerkung: Der Ansatz der Anschaffungskosten des KFZ im gebrauchten Zustand ist nicht vorgesehen.)

Bei Leasingfahrzeugen ist der Sachbezugswert von jenen Anschaffungskosten zu berechnen, die der Leasingrate zu Grunde liegen (einschließlich Umsatzsteuer und Normverbrauchsabgabe). Sind diese aus dem Leasingvertrag nicht ersichtlich, ist vom Neupreis der entsprechenden Modellvariante zum Zeitpunkt der Erstzulassung auszugehen.

Hinweis: Etwaig geleistete Mietvorauszahlungen können nicht von den Anschaffungskosten in Abzug gebracht werden.

Im Falle von geleasten Gebrauchtfahrzeugen sind die Anschaffungskosten analog zu gekauften Gebrauchtfahrzeugen zu ermitteln.

Handelt es sich um Spezialfahrzeuge, die auf Grund ihrer Ausstattung eine private Nutzung praktisch ausschließen (z. B. Fahrzeuge des ÖAMTC oder ARBÖ, Montagefahrzeuge mit eingebauter Werkbank), ist kein Sachbezug anzusetzen. Selbiges gilt für den Fall, dass Berufschauffeure das Firmenfahrzeug, das privat nicht verwendet werden darf, nach der Dienstverrichtung mit nach Hause nehmen.

Mehrfachnutzung

Benützen Dienstnehmer abwechselnd verschiedene dienstgebereigene KFZ aus einem Fahrzeugpool, so ist bei der Berechnung des Sachbezugswertes der Durchschnittswert der Anschaffungskosten aller Fahrzeuge (und somit der Durchschnittswert des auf die einzelnen Fahrzeuge anzuwendenden Prozentsatzes) maßgeblich. In die Durchschnittsberechnung dürfen nur solche Fahrzeuge einbezogen werden, die vom Kreis der betroffenen Dienstnehmer im Wesentlichen gleichmäßig benützt werden. Dies gilt unter anderem auch für Autoverkäufer.

Befindet sich im Fahrzeugpool ein KFZ mit einem Sachbezug von 2 %, ist insgesamt ein Sachbezug von maximal € 960,00 anzusetzen. In allen anderen Fällen gilt der monatliche Höchstbetrag von € 720,00.

Hat ein Dienstnehmer die Möglichkeit, mehrere KFZ unentgeltlich für Privatfahrten zu nutzen (z. B. zwei oder mehrere PKW), ist ein Sachbezugswert unter Berücksichtigung der CO2-Emissionswertgrenzen für jedes einzelne Fahrzeug anzusetzen. Bei entsprechend hohen Anschaffungskosten ist der Höchstbetrag von € 960,00 bzw. € 720,00 daher mehrmals (z. B. für jeden einzelnen PKW) heranzuziehen.

Kommt es während des Lohnzahlungszeitraumes zu einem Fahrzeugwechsel, so ist es zulässig, den Sachbezugswert für den betreffenden Zeitraum entweder nach den Anschaffungskosten des bisherigen Fahrzeuges oder des neu zur Verfügung gestellten KFZ zu ermitteln.

Stellt der Dienstgeber mehreren Dienstnehmern ein firmeneigenes KFZ zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung (Fahrgemeinschaft), ist der einmal ermittelte Sachbezugswert entsprechend dem Ausmaß der tatsächlichen Nutzung auf die teilnehmenden Personen aufzuteilen.

Wird das KFZ hingegen nur einem Dienstnehmer zur privaten Nutzung überlassen und befördert dieser damit auch Arbeitskollegen zur Arbeitsstätte, ist keine Teilung des Sachbezugswertes vorzunehmen.

Abgabenrechtliche Behandlung

In der Sozialversicherung kann der auf den einzelnen Dienstnehmer entfallende Sachbezugswert um die tatsächlichen Kosten, die für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit Massenbeförderungsmitteln (fiktiv) anfallen, vermindert werden. Eine steuerliche Kürzung ist nicht vorzunehmen.

Werden mehrere Dienstnehmer gemeinsam und regelmäßig befördert, und ist die Kapazität des eingesetzten Firmen-KFZ zu mindestens 80 % ausgeschöpft, so ist bei den Dienstnehmern kein steuerpflichtiger Vorteil aus dem Dienstverhältnis anzunehmen. Vielmehr liegt in diesem Fall Werkverkehr gemäß § 26 Z 5 Einkommensteuergesetz 1988 (EStG 1988) vor, der sowohl beitrags- als auch lohnsteuerfrei ist. 

Hinweis: Über etwaige Änderungen der Sachbezugswerteverordnung werden wir Sie selbstverständlich informieren.

Autor: Mag. Wolfgang Böhm/NÖGKK