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Abfertigungsbeiträge - Berechnung bei Krankengeldbezug

Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 6/Juni 2008


Für die Dauer eines Anspruches auf Krankengeld nach dem Allgemeinem Sozialversicherungsgesetz (ASVG) hat der Arbeitgeber bei arbeitsrechtlich aufrechtem Beschäftigungsverhältnis den Abfertigungsbeitrag (1,53 %) von einer fiktiven Bemessungsgrundlage zu entrichten.

Bei der Berechnung der fiktiven Bemessungsgrundlage bei Krankengeld sind nachstehende Konstellationen zu unterscheiden:

Volles Krankengeld - keine Entgelt­fortzahlung (EFZ)
Während des Bezuges von vollem Krankengeld wird als fiktive Bemessungsgrundlage das halbe Entgelt (ohne Sonderzahlungen) im Beitragszeitraum vor Eintritt des Versicherungsfalles (= Beginn der Arbeitsunfähigkeit) herangezogen.

Volles Krankengeld - EFZ von weniger als 50 %
Erhält der Arbeitnehmer das volle Krankengeld und zusätzlich vom Arbeitgeber eine EFZ von weniger als 50 %, fallen für das fortgezahlte Entgelt weder Abfertigungs- noch Sozialversicherungsbeiträge an. Die fiktive Bemessungsgrundlage ist dieselbe wie bei der Variante "volles Krankengeld - keine Entgeltfortzahlung". Gebührt Lehrlingen ein beitragsfreies Teilentgelt, ist dieses für die fiktive Bemessungsgrundlage nicht zu berücksichtigen.

50 % Krankengeld - 50 % EFZ
Hier setzt sich die fiktive Bemessungsgrundlage zusammen aus

  • 50% EFZ plus
  • 50 % des für den Kalendermonat vor dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gebührenden Entgeltes (ohne Sonderzahlungen).


Endet das Beschäftigungsverhältnis arbeitsrechtlich während der Arbeitsunfähigkeit, ist ab diesem Zeitpunkt nur mehr das (eventuell) fortzuzahlende Entgelt als Bemessungsgrundlage heranzuziehen. 

Beispiel

Angabe:
Monatslohn Arbeiter: € 2.100,--
Arbeitsunfähigkeit: 16.6. bis 30.6. (= 15 Kalendertage [KT])

Annahmen:

  • noch vorhandener EFZ-Anspruch: 8 KT 100 %, 28 KT 50 %
  • 16.6. bis 23.6. (= 8 KT): Anspruch auf 100 % EFZ, kein Krankengeld (KG)
  • 24.6. bis 30.6. (= 7 KT): Anspruch auf 50 % EFZ, 50 % KG
  • 15 ÜStd. mit 50 %-Zuschlag im Juni (KW 23 und 24)
  • Überstundenteiler (lt. KV): 150


Bemessungsgrundlage (BMGL):
a) 1.6. bis 23.6.:
Lohn: € 1.050,-- (€ 2.100,-- : 30 x 15)
ÜStd.: € 210,-- (€ 2.100,-- : 150 x 15)
50 % ÜStd.-Zuschlag: € 105,--
EFZ 100 %: € 560,-- (€ 2.100,-- : 30 x 8)
= BMGL: € 1.925,--

b) 24.6. bis 30.6.:
EFZ 50 %: € 245,-- (€ 2.100,-- : 30 x 7 x 50%),
50 % des Mai-Bezuges für sieben KT: € 245,-- (€ 2.100,-- : 30 x 7 x 50 %)
= fiktive BMGL: € 490,--

BMGL Juni gesamt: € 2.415,--
Abfertigungsbeitrag Juni: € 36,95 (= € 2.415,-- x 1,53 %)


Anmerkung: Der Umstand, dass die Gesamt-BMGL für Juni (€ 2.415,--) durch die Leistung von Überstunden höher ist als das Gesamt-Entgelt für Mai (€ 2.100,--), spielt keine Rolle. Es kommt deswegen zu keiner "Ein­kürzung" der BMGL.

Die laut Fragen-Antworten-Katalog zum BMSVG (Punkt 62) getroffene Aussage "Die Grundlage ist in diesem Fall insgesamt aber maximal 100 % des vorherigen Entgeltes" bezieht sich laut Auskunft des BMWA nur auf die fiktive Bemessungsgrundlage bei Bezug von Krankengeld - also auf die € 490,--.