DRUCKEN

Abgeltung von Mehrarbeit bei Teilzeit

Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 7/Juli 2012


Teilzeitarbeit liegt vor, wenn die vereinbarte Wochenarbeitszeit die gesetzliche Normalarbeitszeit oder eine durch Normen kollektiver Rechtsgestaltung (z. B. Kollektivvertrag) festgelegte kürzere Normalarbeitszeit im Durchschnitt unterschreitet.

Einer Norm der kollektiven Rechtsgestaltung ist gleichzuhalten, wenn eine durch Betriebsvereinbarung festgesetzte kürzere Normalarbeitszeit mit anderen Arbeitnehmern, für die kein Betriebsrat errichtet ist, einzelvertraglich vereinbart wird.

Ausmaß und Lage der Teilzeit

Ausmaß und Lage der Teilzeitarbeit und ihre Änderung müssen arbeitsvertraglich vereinbart sein, sofern sie nicht durch Normen der kollektiven Rechtsgestaltung festgesetzt werden. Änderungen des Ausmaßes (nicht jedoch der Lage) der Teilzeitarbeit bedürfen der Schriftform.

Eine ungleichmäßige Verteilung der Arbeitszeit auf einzelne Tage und Wochen kann im Vorhinein vereinbart werden. Die Lage der Arbeitszeit kann vom Arbeitgeber ausnahmsweise einseitig geändert werden, wenn

  • dies aus objektiven, in der Art der Arbeitsleistung gelegenen Gründen sachlich gerechtfertigt ist (z. B. Umstellung des Produktionsab­laufes),
  • dem Arbeitnehmer die neue Lage der Arbeits­zeit für die jeweilige Woche mindestens zwei Wochen im Vorhinein mitgeteilt wird,
  • weder berücksichtigungswürdige Interessen des Arbeitnehmers noch
  • eine Vereinbarung dieser Einteilung entgegenstehen.

Mehrarbeit

Erbringt ein Teilzeitbeschäftigter Arbeitsleistungen über das vereinbarte Arbeitsausmaß hinaus, liegt Mehrarbeit vor. Diese Mehrarbeit darf allerdings nicht mit jener verwechselt werden, die aus der Differenz zwischen gesetzlicher (40 Stunden) und kollektivvertraglich verkürzter Normalarbeitszeit (z. B. 38,5 Stunden) resultiert.

Teilzeitbeschäftigte sind zur Mehrarbeit lediglich dann verpflichtet, wenn gesetzliche Bestimmungen, Normen der kollektiven Rechtsgestaltung oder der Arbeitsvertrag dies vorsehen, ein erhöhter Arbeitsbedarf (auch Mehrarbeit zur Vornahme von Vor- und Abschlussarbeiten) vorliegt sowie berücksichtigungswürdige Interessen des Arbeitnehmers der Mehrarbeit nicht entgegenstehen.

Entlohnung der Mehrarbeit

Für Mehrarbeitsstunden teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer gebührt ein Zuschlag von 25 %. Der Berechnung des Zuschlages ist der auf die einzelne Arbeitsstunde entfallende Normallohn zu Grunde zu legen. Bei Akkord-, Stück- und Gedingelöhnen ist dieser nach dem Durchschnitt der letzten 13 Wochen zu bemessen. Durch Kollektivvertrag kann auch eine andere Berechnungsart vereinbart werden. Anstatt eines Zuschlages von 25 % ist gesetzlich auch ein Zeitausgleich im Verhältnis 1:1,25 oder 1:1 mit einer Auszahlung des 25%igen Zuschlages möglich.

Mehrarbeitsstunden sind nicht zuschlagspflichtig, wenn

  • diese innerhalb des Kalendervierteljahres oder eines anderen festgelegten Zeitraumes von drei Monaten, in dem sie angefallen sind, durch Zeitausgleich im Verhältnis 1:1 ausgeglichen werden;
  • bei gleitender Arbeitszeit die vereinbarte Arbeitszeit im Durchschnitt nicht überschritten wird, d. h. wenn die Mehrarbeit noch innerhalb der aktuellen Gleitzeitperiode ausgeglichen wird. Zuschlagsfreiheit besteht auch dann, wenn die Zeitguthaben (Mehrarbeitsstunden) in die ­nächste Gleitzeitperiode übertragen werden können.


Sieht der Kollektivvertrag für Vollzeitbeschäftigte eine kürzere wöchentliche Normalarbeitszeit als 40 Stunden vor und wird für die Differenz zwischen kollektivvertraglicher und gesetzlicher Normalarbeitszeit kein Zuschlag oder ein geringerer Zuschlag als 25 % festgesetzt, sind Mehrarbeitsstunden von Teilzeitbeschäftigten im selben Ausmaß zuschlagsfrei bzw. mit dem geringeren Zuschlag abzugelten. Dies bedeutet, dass z. B. im Handel mit einer kollektivvertraglichen wöchentlichen Normalarbeitszeit von 38,5 Stunden für Teilzeitbeschäftigte ebenso 1,5 Mehrarbeitsstunden pro Woche zuschlagsfrei behandelt werden können.

Autor: Mag. Franz Gruber/NÖGKK