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Landwirtschaftliche Lehrlinge - Entgeltfortzahlung

Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 5/Mai 2012


Die Ausbildung von land- und forstwirtschaftlichen Lehrlingen wird durch die NÖ Landarbeitsordnung (NÖ LAO) sowie die NÖ Land- und forstwirtschaftliche Berufsausbildungsordnung (LFBAO) geregelt. Diese Landesgesetze sehen keine Sonderregelungen für die Entgeltfortzahlung von durch Krankheit (Unglücksfall) an ihrer Tätigkeit verhinderten land- und forstwirtschaftlichen Lehrlingen vor. 

In Ermangelung derartiger expliziter Bestimmungen kommt es gelegentlich insofern zu Missverständnissen, als land- und forstwirtschaftliche Lehrbetriebe bei derartigen Arbeitsverhinderungen die im Berufsausbildungsgesetz (BAG) enthaltenen Entgeltfortzahlungsbestimmungen anwenden. Diese gelten jedoch ausschließlich für gewerbliche Lehrlinge.

Laut übereinstimmender Ansicht der NÖ Landarbeitskammer sowie der Landwirtschaftskammer NÖ gelangen auf land- und forstwirtschaftliche Lehrlinge, sofern die jeweiligen Landesgesetze nichts Abweichendes regeln, unstrittiger Weise die allgemeinen arbeitsrechtlichen Bestimmungen der NÖ LAO zur Anwendung. Sie sind im Bereich der Entgeltfortzahlung somit wie land- und forstwirtschaftliche Arbeiter und Angestellte zu behandeln.

Land- und forstwirtschaftliche Lehrlinge behalten demzufolge nach § 22 NÖ LAO im Krankheits- bzw. Unglücksfall ihren Anspruch auf das Entgelt bis zur Dauer von sechs Wochen. Für weitere vier Wochen ist das halbe Entgelt zu leisten.

Vollständigkeitshalber sei erwähnt, dass sich der Anspruch auf volle Entgeltfortzahlung auf acht, zehn bzw. zwölf Wochen erhöht, wenn das Dienstverhältnis fünf, fünfzehn respektive fünfundzwanzig Jahre gedauert hat. Dies wird bei Lehrverhältnissen in der Praxis jedoch kaum Bedeutung haben.

Wenn innerhalb eines halben Jahres nach Wiederaufnahme der Arbeit neuerlich eine Dienstverhinderung wegen Krankheit (Unglücksfall) eintritt, ist zunächst ein allfälliger Restanspruch vom "Grundkontingent" zu verbrauchen. Übersteigt die Gesamtdauer der Dienstverhinderung die Anspruchsdauer, gebührt noch 40 % des Entgeltes für die halben Zeiträume des "Grundkontingentes".

Autor: Hannes Holzinger/NÖGKK