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Beitragsabrechnung von Lehrlingen

Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 3/März 2012


Bei der Beitragsabrechnung von Lehrlingen sind sowohl bei den Meldungen als auch bei der Höhe der Beiträge, Nebenbeiträge und Umlagen einige Besonderheiten zu beachten.

Beiträge

Die Lehrlingsentschädigung gilt sozialversicherungsrechtlich als Entgelt und damit als Beitragsgrundlage. Die Beiträge sind stets in jener Beitragsgruppe abzurechnen, die dem aktuellen Lehrjahr (unabhängig vom Schulerfolg) entspricht. Es ist also immer die bei einem Dienstgeber tatsächlich absolvierte Lehrzeit heranzuziehen.

Ein negativer Schulerfolg kann sich auf die Höhe der Lehrlingsentschädigung auswirken. Beachten Sie dazu auch die kollektivvertraglichen Regelungen.

Krankenversicherung

Für die Dauer der ersten zwei Jahre der Lehrzeit entfällt der Beitrag zur Krankenversicherung (KV-Beitrag) zur Gänze, wobei immer die bei einem Dienstgeber gemäß dem abgeschlossenen Lehrvertrag tatsächlich zu absolvierende Lehrzeit relevant ist. Der Lehrling ist aber trotzdem krankenversichert.

Erst nach Ablauf dieser zwei Jahre ist der KV-Beitrag zu entrichten (Dienstgeber- und Lehrlingsanteil).

Unfallversicherung

Der Beitrag zur Unfallversicherung (UV-Beitrag) entfällt für die gesamte Dauer der Lehrzeit, der Lehrling ist aber trotzdem unfallversichert.

Pensionsversicherung

Die Beiträge zur Pensionsversicherung (PV-Beiträge) sind während der gesamten Lehrzeit zu entrichten (Dienstgeber- und Lehrlingsanteile).

Arbeitslosenversicherung

Beiträge zur Arbeitslosenversicherung (AV-Beiträge) sind für Lehrlinge im letzten Jahr der vorgeschriebenen oder vereinbarten Lehrzeit zu entrichten. Ebenso für jene Lehrlinge, die auf Grund eines Kollektivvertrages Anspruch auf eine Lehrlingsentschädigung mindes­tens in der Höhe des niedrigsten Hilfsarbeitslohnes haben. Die AV-Beiträge umfassen sowohl Dienstgeber- als auch Lehrlingsanteile. Beim Lehrlingsanteil sind jedoch die Bestimmungen über den Entfall bzw. die Verringerung des AV-Beitrages bei geringem Einkommen zu beachten!

Nebenbeiträge und Umlagen

Diese sind für Lehrlinge grundsätzlich nicht zu entrichten. Es fallen also die Arbeiterkammer- (AK) oder die Landarbeiterkammerumlage (LK) nicht an - außer in Kärnten oder der Steiermark, sofern die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen.

Weiters entfallen der Wohnbauförderungsbeitrag (WF), der Insolvenz-Entgeltsicherungszuschlag (IE), der Schlechtwetterentschädigungsbeitrag (SW) und grundsätzlich der Nachtschwerarbeits-Beitrag (NB).

Betriebliche Vorsorge

Der Beitrag zur Betrieblichen Vorsorge (BV-Beitrag) ist für Lehrlinge nach den gleichen Bestimmungen wie für Dienstnehmer zu entrichten.

Lehrlinge sind also kranken-, unfall- und pensionsversichert (in bestimmten Fällen auch arbeitslosenversichert) und unterliegen dem Betrieblichen Mitarbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetz (BMSVG). Die teilweisen Begünstigungen, die im Beitragsrecht bestehen, sollen dazu dienen, die Ausbildung und Beschäftigung von Lehrlingen zu fördern.

Meldungen

Die Daten zum Lehrverhältnis müssen auf der Anmeldung korrekt angeführt sein, vor allem die Dauer des ersten Lehrjahres und das Ende der Lehrzeit.

Beachten Sie bitte, dass der Beschäftigungsbeginn Ihres Lehrlings auf Grund anrechenbarer Zeiten aus einem anderen Lehrverhältnis oder einer Ausbildung nicht identisch mit dem Beginn des ersten Lehrjahres sein muss. Der Beginn und eventuell auch das Ende des ersten Lehrjahres liegen in diesen Fällen vor dem eigentlichen Beginn der Beschäftigung des Lehrlings in Ihrem Betrieb.

Nehmen die Lehrlinge an speziellen Ausbildungsprogrammen teil (z. B. Lehrlingsstiftungen im Sinne des Jugendausbildungs-Sicherungsgesetzes mit vorgeschriebener oder vereinbarter Lehrzeit), ist dies ebenfalls auf der Anmeldung (unter "Andere gesetzliche Regelung") zu vermerken.

Bei jedem Wechsel der Beitragsgruppe hat eine Änderungsmeldung zu erfolgen, ebenso bei jeder Änderung der Lehrzeitdauer (z. B. auf Grund einer erfolgreichen vorzeitigen Lehrabschlussprüfung).

Ändert sich die Höhe der Lehrlingsentschädigung z. B. durch ein neues Lehrjahr oder eine kollektivvertragliche Erhöhung, ist dies bei der Erstellung der Beitragsnachweisung zu berücksichtigen (im Vorschreibebereich ist eine Änderungsmeldung zu senden).

Weitere Informationen, eine Aufstellung über die anzuwendenden Beitragsgruppen und -sätze sowie Praxisbeispiele zur korrekten Anwendung des zweijährigen Entfalles des KV-Beitrages finden Sie unter dem Link in der rechten Navigationsleiste.

In der nächsten Ausgabe werden wir uns weiteren "Lehrlingsthemen" widmen, wie z. B. der Entgeltfortzahlung bzw. dem Teil­entgelt bei Arbeitsverhinderungen oder speziellen beitragsrechtlichen Fragen (Abrechnung von Sonderzahlungen, Übernahme von Internats­kosten usw.).

Autor: Wolfgang Mitterstöger/NÖGKK