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Richtige Ausfertigung der Arbeits- und Entgeltbestätigung für Wochengeld

Veröffentlichung: NÖDIS, Nr. 14/November 2013


Für die Bemessung des Wochengeldes ist der durchschnittliche tatsächlich ausfallende Arbeitsverdienst aus den letzten drei Kalendermonaten vor dem Eintritt des Versicherungsfalles der Mutterschaft maßgeblich. Wenn die Beschäftigung allerdings erst in dem Monat begonnen hat, in dem der Versicherungsfall der Mutterschaft eingetreten ist, wird unter Angabe des genauen Bezugszeitraumes der im betreffenden Monat erzielte Nettoarbeitsverdienst für die Leistungsbemessung herangezogen. 

Die Berechnung des Wochengeldes erfolgt anhand der Angaben auf der vom Dienstgeber zu erstattenden Arbeits- und Entgeltbestätigung, die gleichzeitig als Abmeldung gilt. Die Pflichtversicherung endet ja grundsätzlich mit dem Tag vor Beginn der Geldleistung durch Wegfall des Entgeltanspruches.

Anders als beim Krankengeld soll das Wochengeld den entfallenden Nettoarbeitsverdienst zur Gänze ersetzen (= Ausfallprinzip). Dabei gilt der Grundsatz, dass die Versicherte während der Zeit des Wochengeldbezuges weder einen finanziellen Nachteil erleidet noch eine Besserstellung erfährt. Durch die durchschnittliche Betrachtung des Arbeitsverdienstes der letzten drei Kalendermonate werden dabei auch etwaige kurzfristige Entgeltschwankungen entsprechend berücksichtigt.

Bei der Ermittlung des mittels der Arbeits- und Entgeltbestätigung bekannt zu gebenden Nettoarbeitsverdienstes werden im Sinne des zuvor erwähnten Ausfallprinzips auch Entgeltteile, die die Höchstbeitragsgrundlage überschreiten, herangezogen.

Zum ausfallenden Nettoarbeitsverdienst zählen nicht nur Geldbezüge, sondern auch Sachbezüge. Letztere allerdings nur dann, wenn diese während des Versicherungsfalles der Mutterschaft nicht ohnehin weiter gebühren.

Werden Sachbezüge (z. B. eine Wohnung) freiwillig weitergewährt bzw. besteht sogar ein dienstvertraglicher Anspruch darauf, bleiben sie bei der Bemessung des Wochengeldes unberücksichtigt. Andernfalls würde es entgegen dem Ausfallprinzip zu einer ungerechtfertigten Besserstellung der Versicherten kommen.

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Ermittlung der Bemessungsgrundlage für das Wochengeld

ausfallender Bruttogeldbezug
- Dienstnehmeranteil an den Sozialversicherungsbeiträgen (SV-Beiträge), am Wohnbauförderungsbeitrag (WF) und Schlechtwetterentschädigungsbeitrag
- Arbeiterkammerumlage (AK) bzw. Landarbeiterkammerumlage
- beitragsfreie Aufwandsersätze (z. B. Fahrtkostenvergütungen)
- Lohnsteuer


= ausfallender Nettoarbeitsverdienst in bar
+ Sachbezug, falls er während des Wochengeldbezuges nicht weitergewährt wird


= Bemessungsgrundlage für das Wochengeld

Etwaige Trinkgelder bzw. Trinkgeldpauschalen sind zu berücksichtigen.

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Dazu zwei Beispiele

Angabe
Eine Angestellte erhält von ihrem Dienstgeber einen gleichbleibenden Bruttoarbeitsverdienst im Ausmaß von € 3.000,--. Zudem wird ihr ein PKW, den sie auch für Privatfahrten nutzen kann, zur Verfügung gestellt. Der Sachbezugswert beträgt laut Sachbezugsverordnung € 450,--. Der Alleinverdienerabsetzbetrag gebührt nicht.

Beispiel 1

Während des Wochengeldbezuges steht der Versicherten der PKW nicht zur Verfügung.

Berechnung des ausgefallenen Nettoarbeitsverdienstes:

  • SV-Beiträge 18,07 % (Beitragsgruppe D1, AK, WF) von € 3.450,-- (€ 3.000,-- + € 450,-- Sachbezug): € 623,42
  • Lohnsteuer von € 2.826,58 (€ 3.450,-- minus € 623,42): € 711,36
  • Netto-Barbezug: € 1.665,22 (€ 3.000,-- abzüglich SV-Beiträge und Lohnsteuer)
  • Nettoarbeitsverdienst: € 2.115,22 (Netto-Barbezug € 1.665,22 zuzüglich zu berücksichtigender Sachbezugswert € 450,--)
  • ausgefallener Nettoarbeitsverdienst während der letzten drei Monate: € 6.345,66 (€ 2.115,22 x 3)

Screenshot_AE_WG_Beispiel_1_Quelle NÖGKK









Abbildung der Arbeits- und Entgeltbestätigung für Wochengeld in ELDA.

Beispiel 2

Während des Wochengeldbezuges wird der Versicherten der PKW weiterhin zur Verfügung gestellt.

  • SV-Beiträge 18,07 % (Beitragsgruppe D1, AK, WF) von € 3.450,-- (€ 3.000,-- + € 450,-- Sachbezug): € 623,42
  • Lohnsteuer von € 2.826,58 (€ 3.450,-- minus € 623,42): € 711,36
  • Netto-Barbezug: € 1.665,22 (€ 3.000,-- abzüglich SV-Beiträge und Lohnsteuer)
  • ausgefallener Nettoarbeitsverdienst während der letzten drei Monate: € 4.995,66 (€ 1.665,22 x 3)


Da der Sachbezug während des Wochengeldbezuges weiter gewährt wird, fällt er nicht aus. Demzufolge ist er im Unterschied zum Beispiel 1 beim Nettoarbeitsverdienst nicht hinzuzurechnen. Als Bemessungsgrundlage für das Wochengeld wird somit der vor dem Eintritt des Versicherungsfalles der Mutterschaft gebührende Nettoarbeitsverdienst herangezogen. Dadurch kommt es finanziell weder zu einem Vor- bzw. Nachteil für die Versicherte, da der Sachbezug weiterhin in Natura konsumiert wird.

Screenshot_AE_WG_Beispiel_2_Quelle NÖGKK









Abbildung der Arbeits- und Entgeltbestätigung für Wochengeld in ELDA.


Autor: Hannes Holzinger/NÖGKK